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Der alte Hund
Bürde oder Freude
von Bine Hoffmann
Je älter ein Haustier wird
um so mehr bedarf es
der verständnisvollen Liebe des Menschen
(Paul Eipper, Die gelbe Dogge Senta, Berlin 1936)
Kleine Hunde - große Hunde
Es ist allgemein bekannt, dass kleine Hunde ( Dackel, Yorkshireterrier, Zwergspitze...) eine höhere Lebenserwartung haben als die großen Hunderassen (Dogge, Leonberger, Irish Wolfhound). So setzt auch ganz natürlich der Alterungsprozess dementsprechend ein. Ein Dackel beginnt zwischen 8 und 10 Jahren langsam zu altern, für eine Dogge währe dieses schon ein biblisches Alter- welches selten erreicht wird.
Neben diesen Richtwerten beeinflussen individuelle Faktoren (Genetik, Ernährung, Lebens- und Haltungsbedingungen, Krankheitsanfälligkeit, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Tierarzt) das Altern unserer Hunde.
Was bedeutet Altern?
Altern ist keine Krankheit, es ist ein natürlicher biologischer Prozess, der sich durch viele Anzeichen bemerkbar macht, und schon mit der Geburt beginnt. Er beruht u. a. auf einer langsameren und selteneren Teilung der Körperzellen, so dass Gewebeschädigungen nicht ausreichend und schnell genug "repariert" werden können. Ferner spielt das Eindringen freier Radikaler (wirken bei der Entstehung von Krankheiten z. B. Krebs mit) und ein verschlechterter Abtransport schädlicher Stoffwechselprodukte (s.g. Toxine, die sich im Gewebe des Körpers ablagern) eine wesendliche Rolle. Die Durchblutung aller Organe, einschließlich des Gehirns vermindert sich.
Oder einfacher ausgedrückt: "Alles lässt langsam nach".
Körperliche Anzeichen des Alterns
Veränderung des Haarkleides
Wie die Menschen ergrauen auch viele unsere Hunde. Meist beginnt das Ergrauen an der Schnauze und um die Augen. Einige in ihrer Jugend schwarze Hunde werden im Alter mehr oder weniger ganz grau.
Einschränkung des Sehvermögens
Oft lässt beim alten Hund, ohne das sein Halter es bemerkt, die Sehkraft langsam nach. Er verlässt sich dann immer mehr auf die noch vorhandenen anderen Sinnesorgane und kann so sehr gut am täglichen Leben teilnehmen. Auch der gewohnte Freilauf sollte dem Hund in sicherem Gebiet weiter gewährt werden, nur sollte der verantwortungsvolle Hundehalter noch vorrausschauender sein, und bei unbekannten Situationen und plötzlich auftauchenden Personen den Hund an seine Seite rufen, damit er sich nicht erschreckt und plötzlich davonrennt oder gar zubeißt.
Einschränkung des Hörvermögens
Auch das Hörvermögen des Hundes kann im Alter nachlassen. Berücksichtigen Sie dieses immer, wenn der früher folgsame Hund nicht mehr auf Ihre Kommandos reagiert. Das Hörvermögen kann jeder selbst beim schlafenden Hund testen, oder indem Sie außerhalb seines Sichtfeldes zum Spiel oder Fressen rufen. Da Sie sicher Ihren Hund schon früh sowohl auf Hörzeichen und Sichtzeichen ausgebildet haben, dürfte einer weiteren Kommunikation mit Ihrem Hund nichts im Wege stehen. Sollten Sie es versäumt haben, Ihren Hund auf Sichtzeichen auszubilden, fangen Sie sofort damit an. Auch der alte Hund lernt noch gut.
Natürlich kann es beim alten Hund auch zum Verlust des Seh- und /oder Hörvermögens kommen. Für den Hund ist es meist ein kleineres Problem - für den Halter eine Katastrophe.
Schauen Sie wie gut Ihr Hund damit umgeht, unterstützen Sie ihn dort, wo er es braucht, aber lassen Sie ihm auch die Freiräume, die er noch sicher bewältigen kann.
Eingeschränktes Bewegungsvermögen
Im Laufe der Zeit bemerken Sie sicher, dass Ihr Hund mehr schläft. Morgens liegt er länger im Körbchen, der Mittagsschlaf wird ausgedehnt, abends ist er ehr auf seinem Lager. Der Senior ist auch nicht immer mehr begeistert, wenn sein Halter mit der Leine in der Hand vor ihm steht. Oft will sein Blick sagen: "Oh, soll ich etwa schon wieder spazieren gehen". Vielleicht sind dieses alles nur Symptome eines gesteigerten Ruhe- und Schlafbedürfnisses, vielleicht tun Ihrem alten Freund aber auch die Knochen weh. Eine gründliche Untersuchung beim Tierarzt bringt Klarheit. Leidet Ihr Hund weder an einer Erkrankung oder einem Verschleiß des Knochen- und Skelettsystems, hat er keinen Herzfehler noch Atembeschwerden- ist er eigentlich nur alt- liegt es an Ihnen ein gesundes Mittelmaß zwischen seinem Bedürfnis nach Ruhe und Bewegung zu finden.
Überfordern Sie den alten Hund nicht, aber lassen Sie ihn auch nicht " einrosten".
Übergewicht, ein leidiges Thema
Wie oft bekomme ich zu hören:" Mein Hund frisst ja kaum noch was, ich gebe ihm schon so wenig!" - das kann alles nicht stimmen. Die dicken Hunde machen wir Menschen!
Natürlich hat auch der ältere Hund, wie der ältere Mensch, einen geringeren Grundumsatz. Durch den verlangsamten Stoffwechsel verbraucht er weniger, d.h. wir sollten ihm weniger Energie zuführen. Ist er zu dick, muß das Gewicht runter- etwas anderes gibt es nicht!
Die Folgen des Übergewichts können verheerend sein: Diabetes Mellitus, Erkrankungen des Skelettsystems, schlechte Verdauung, Herz- und Atemwegserkrankungen, Störungen der Leberfunktionen, - um nur einige zu nennen.
Eine Diät kann deshalb nicht grausam sein. Durch das erreichte Idealgewicht erhält Ihr Hund eine neue Lebensqualität, viele gesundheitliche Probleme entfallen, die Bewegungsfreude und -fähigkeit nimmt zu, der Hund hat wieder mehr Freude am Leben- und Sie sicher auch an ihm!
Neben vielen guten Light- Futtersorten, gibt es auch diverse Rezepte, die das Gewicht Ihres Hundes langsam reduzieren bzw. später halten helfen.
Tipp: Einen Teil des Futters durch gekochten Reis oder Kartoffeln ersetzen, mit gekochtem Gemüse oder aufgeweichten Trockenkarotten ergänzen!
Veränderungen im Verhalten
Viele Veränderungen im Verhalten können Anzeichen für Schmerzen oder Krankheiten Ihres Hundes sein (dieses gilt nicht nur für den alten Hund).Lassen Sie dieses durch Ihren Tierarzt abklären.
So befürchtete ich kürzlich unsere alte Schäferhündin würde langsam senil. Ohne irgendwelche Auffälligkeiten wie Durchfall oder Magengeräusche zu zeigen war sie nicht mehr ganz stubenrein. Eine Kotprobe brachte die Ursache ans Licht: eine hohe Konzentration von Bakterien im Darm. Nach einer kurzen tierärztlichen Behandlung und einigen Tagen Schonkost war das Problem behoben.
Alterssenilität
Ähnlich der Altersdemenz beim Menschen können auch unsere Hunde durch mangelnde Durchblutung oder Verkalkung des Gehirns, durch die Ansammlung von Stoffwechselprodukten o. a. an einer Art Senilität leiden. In vielen Fällen helfen Medikamente (Geriatrika), die Sauerstoffversorgung wieder zu optimieren.
Altersstarsinn
Dickköpfigkeit, Besserwisserei, Ungehorsam- all dies verstehe ich unter Altersstarsinn. So lange sich diese Auffälligkeiten in Grenzen halten, finde ich Sie irgendwie zum Schmunzeln. Was ich bei einem jungen Hund niemals tolerieren würde, bei meinen alten Hunden lasse ich auch mal fünfe gerade sein. Aber alles in akzeptablem Maße - das Sagen habe immer noch ich.
Eigentlich möchte ich Sie bitten, etwas toleranter mit unseren alten Hunden zu sein. Manche der Macken, die unsere Hunde im Alter entwickeln sind doch auf den 2.Blick liebenswürdig, sie basieren z.T. auch auf unserem langen Zusammenleben, unserer Erziehung und unserer Fürsorge für unseren Vierbeiner- wir haben an ihnen mitgewirkt.
"Zickigkeit"
Die Toleranzschwelle einiger Hunde sinkt mit zunehmenden Alter. Vielen früher sehr kinderlieben Hunden wird der Lärm und das Getobe der Kinder zuviel. Klären sie ihre Kinder auf, bieten Sie dem Hund verstärkt abgeschiedene Ruheplätze an, suchen Sie Möglichkeiten den Bedürfnissen von Kind und Hund entgegenzukommen- aber geben Sie Ihren alten Kameraden nicht einfach in andere Hände oder ins Tierheim.
Ebenso gereizt wie auf Kinder reagieren alte Hunde oft auf Artgenossen. Besonders Welpen mit ihrer stürmischen Aufdringlichkeit können unsere alten Hunde restlos aus der Ruhe bringen. Seien sie vorausschauend, nehmen Sie Ihren Hund ggf. an die Leine und bitten den anderen Hundehalter seinen Hund abzurufen.
Andererseits gibt es auch die alten Hunde, die mit einer bewundernswerten Gelassenheit über solchen Dingen stehen und die nichts zu stören scheint.
Ein alter Hund vom Tierschutz
Dieser Abschnitt handelt davon, was auf Sie zukommen kann, wenn Sie sich für die Aufnahme eines alten Hundes entscheiden.
Auf jeden Fall zieht ein Hund bei Ihnen ein, der bereits zum großen Teil durch seine vorherigen Halter, die Lebensbedingungen, seine Erfahrungen- die guten wie schlechten- geprägt wurde. Dieser Hund hat seine Idee vom Leben entwickelt, er hat meistens genaue Vorstellungen was richtig oder falsch ansieht. Persönlich nenne ich diese Hunde "weise". Damit meine ich aber nicht unbedingt einfach und besonnen- er ist auf seine individuelle Art weise. Das kann auch bedeuten, das er andere Hunde nicht mag oder Angst vor Männern hat- eben das was ihm sein bisheriges Leben gelehrt hat.
Im besten Fall treffen Sie auf einen immer geliebter Familienhund mit hervorragender Erziehung, gut auf Menschen und Artgenossen geprägt, der durch Trennung oder Todesfall sein Zuhause wechseln muß. Diese Hunde sind oft unproblematische Weggefährten, die sich auch sehr als Anfängerhund eignen, oder einem betagteren Menschen noch viel Freude bereiten können.
Etwas anderes kann es sein, wenn Sie sich z.B. für einen alten Kettenhund aus dem Ausland entscheiden. Falls er überhaupt eine Grunderziehung genossen hat- er versteht Ihre Sprache nicht. Er ist es womöglich nicht gewohnt in einer Wohnung zu leben, ist nicht stubenrein, hat Angst vor Menschen, ist nicht leinenführig, kann keine Treppen steigen, bellt andere Hunde an- oder will diese sogar attackieren. Diese Hunde gehören nicht in Anfängerhände. Sie sollten auch nicht zu kleinen Kindern vermittelt werden, da nicht abzusehen ist, inwieweit sie den Umgang mit diesen gelernt haben, bzw. ob sie diese akzeptieren.
Aus eigenen Erfahrungen kann ich nur sagen, das auch solche alten Hunde sich gut einfügen können, wenn sie langsam und vorsichtig mit liebevoller aber konsequenter Hand an das neue Leben herangeführt werden. Meine alten Kettenhunde sind die besten Lehrmeister und bringen mich dem Phänomen Hund täglich ein Stück näher.
Diese Beispiele sind zwei Extreme wie sie unterschiedlicher nicht seien könnten. Der alte Hund hat so viele Facetten, wie es alte Hunde gibt und es ist unmöglich genau vorauszusagen was auf sie zukommen wird.
Erkundigen Sie sich deshalb beim Tierschutz ganz genau über das Wesen und den Charakter des Hundes und versuchen Sie möglichst viel über das Vorleben des alten Tieres herauszubekommen. Beschäftigen Sie sich bei mehreren Besuchen ganz intensiv mit ihm und prüfen Sie bitte lieber einmal mehr, ob genau dieser Hund -mit seinen Stärken und Schwächen- Ihr Gefährte werden könnte. Sind Sie bereit sich den Herausforderungen eines "fertigen" Hundes zu stellen? Denn eines sollte auf gar keinen Fall geschehen: Sie verlieben sich in ein graues Gesicht mit alten gebrochenen Augen, nehmen diesen Hund aus Mitleid auf- und müssen den Senior wieder abgeben, weil er mit seiner Art nicht in Ihr Leben passt.
Entscheiden Sie sich trotz meiner Schwarzmalerei doch für einen alten Hund, kann ich Ihnen nur gratulieren- auf irgendeine Art und Weise werden Sie sicher belohnt. Vielleicht ist Ihr alter Hund bald der treue Freund von dem sie immer geträumt haben, oder Sie haben die Möglichkeit mit Ihrem etwas schwierigeren alten Hund ganz neue Erfahrungen zu sammeln und so dem Geheimnis Hund ein gutes Stück näher zu kommen. Falls Ihre Kenntnisse zum Führen eines alten problematischen Hundes doch trotz Ihren Hundeerfahrungen nicht ausreichen sollte, scheuen Sie sich bitte nicht, fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt leider noch nicht viele Hundetrainer die sich auf alte Hunde spezialisiert haben, denn viele behaupten leider immer noch:
Was Hänschen nicht lernt...........
Dieses ist eine Behauptung die mich immer noch an vielen Trainern und Fachleuten zweifeln lässt. Aus eigenen Erfahrungen und dem Austausch mit vielen Hundehaltern, weiß ich dass diese Feststellung einfach falsch ist.
Es ist unumstritten, dass ein Welpe oder ein Junghund schneller lernt, und dass es fast unmöglich ist, einen alten Hund vollständig umzukrempeln- aber wer das möchte, sollte sich erst gar nicht für einen alten erfahrenen Hund entscheiden. Doch der alte Hund kann bei geeigneter Anleitung alles lernen, was er für ein Leben an Ihrer Seite braucht.
Ein kleines Beispiel:
Vor fast 11/2 Jahren zog als vierter Hund eine 11jährige Schäferhündin bei uns ein. Wir wissen von ihrer Vorgeschichte nur, dass "Lotti" ein ehemaliger Kettenhund war und im Anschluss 3 Jahre in einem ungarischen Tierheim gelebt hatte. Dort wurde sie sehr zerbissen und drohte sich aufzugeben. Irgendwer hatte ihr einige Grundkommandos beigebracht und so lernten wir ungarisch ( sitz, komm, hier, nein, und gut gemacht). Lotti konnte nicht an der Leine laufen, war nicht stubenrein, ging keine Treppen, fiel bei lauten Worten meines Freundes sofort winselnd auf den Rücken. Nach ihrer körperlichen Genesung übernahm sie das Rudel, dieses mussten wir natürlich akzeptieren, um Streit zwischen den Hunden zu vermeiden. Ihre "Stärke" beweist sie uns täglich auf der Hundewiese. Oft zeigt sie anderen Hunden verbal ihre Stellung und lässt auch keinen Zweifel aufkommen, das sie "ihr" Rudel zur Not auch verteidigen würde. Da sie mittlerweile sehr gut hört, wird sie in solchen Fällen abgerufen und ange leint. Wir sind uns sicher, das dieses Verhalten niemals ganz verschwindet, sie verhält sich ihrer Stellung und Lebenserfahrung entsprechend. Wir haben gelernt damit umzugehen und schätzen ihre Art sogar in brenzlichen Situationen. Natürlich hat Lotti viel gelernt. Sie ist leinenführig, stubenrein, kann Treppen gehen, verhält sich im Büro oder Restaurant souverän und beherrscht alle notwendigen Grundkommandos- auch auf Deutsch.
Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass ein alter Hund noch alles Erforderliche lernt, aber nicht mehr vollkommen verändert werden kann. Vielleicht sind ja auch Sie bereit dazuzulernen, Sich auf Ihren Senior einzustellen und ihn so anzunehmen und zu lieben wie er ist.
Besonderheiten bei der Pflege und Ernährung des alten Hundes
Ernährung
Die Ernährung sollte dem Alter und den Lebensbedingungen des Hundes angepasst werden. Neben den eiweißreduzierten wirklich guten Seniorprodukten verschiedener Hersteller kann der Hundehalter natürlich auch selber kochen. Hierbei ist es wichtig, dass der Fleischanteil im Futter bis auf die Hälfte der herkömmlichen Menge reduziert wird und als zusätzlicher Eiweißlieferant Milcherzeugnisse wie Joghurt, Hüttenkäse oder Quark dienen. Ergänzt wird dieses durch Ballaststoffe und Kohlenhydrate aus Reis, Kartoffeln und Nudeln sowie gekochtem Gemüse.
Die Ernährung des Hundes ist eine Wissenschaft für sich, schauen Sie sich Ihren Hund an, hat er eine gute Figur, ist er vital, glänzt sein Fell und seine Augen, ist der Tierarzt mit seiner Gesundheit zufrieden, dann ernähren Sie Ihren Hund sicher richtig.
Tipp: Persönlich ernähre ich meine Hunde mit einer Art Mischkost. Habe ich keine Zeit zu kochen, gibt es fertige Flocken statt Reis, aufgeweichte Trockenmöhren (Olewo)statt gekochtem Gemüse, alles mit Joghurt und etwas Trockenfutter vermischt. Alle Hunde fressen es sehr gern und sind gesundheitlich topfit. Grundsätzlich füttere ich zweimal täglich, ergänzt durch zwei kleine Zwischenmahlzeiten, damit der Magen niemals überfüllt ist und es nicht so schnell zu einer Magendrehung kommen kann.
Pflege des alten Hundes
Inwieweit Sie Ihren alten Hund bei der Körperpflege unterstützen müssen, hängt von seiner Beweglichkeit ab. Bürsten Sie ihn regelmäßig, je nach Felllänge evt. täglich. Achten Sie dabei unbedingt auf Fellveränderungen, kleine Wunden, kahle Stellen, Liegeschwielen oder sonstige Auffälligkeiten, wie Warzen oder Tumore. Vergessen Sie eine Kontrolle der Zähne, Ohren und Krallen nicht, und teilen Sie Ihre Beobachtungen regelmäßig Ihrem Tierarzt mit.
Da alte Hunde vermehrt Körpersekrete ausscheiden, sollten Sie bei Bedarf die Körperöffnungen, wie Scham bzw. Penis, die Analgegend sowie die Augen und Ohren mit sauberen und weichen Tüchern säubern. ( Tipp: Ich verwende hierfür Einwegtücher aus der Babypflege, nur für die Augen angefeuchtete Zewatücher).
Liegeschwielen sollten eingecremt werden(z. B. mit Calendulasalbe von Weleda) und allgemein für eine weichere Unterlage gesorgt werden. Gut bewährt haben sich Dinkelkissen oder Kissen mit einer Füllung aus Styroporkügelchen. Da diese allerdings leicht je nach Größe bis 75 Euro kosten können, und nicht von jedem Hund angenommen werden, ist diese Anschaffung nicht unbedingt notwendig, eine weiche Matratze oder zwei dicke waschbare Decken übereinander gelegt erfüllen den selben Zweck.
Kälte und Nässe
Aufgrund körperlicher Beschwerden, wie diverser Gelenkentzündungen oder Steifheit in den Knochen wird Kälte und Nässe von den meisten alten Hunden nicht mehr gut vertragen. Sorgen Sie deshalb für eine angemessene Temperatur am Ruheplatz des Hundes, vermeiden Sie Zugluft und scheuen Sie sich notfalls auch nicht, Ihrem Hund einen schützenden Regenmantel bei schlechter Witterung überzustreifen. Auch wenn es bei Haltern großer und schwerer Rassen noch nicht üblich ist, und Regenschutz oft nur belächelnd bei kleinen Rassen Anwendung findet, haben Sie die Courage ggf. auch Ihrem alten Rottweiler durch einen Schutzmantel das Leben zu erleichtern.
Bewegung und Beschäftigung des alten Hundes
Die Regel sagt, dass ein alter Hund lieber häufiger und dafür kürzer ausgeführt werden sollte. Dies ist sicher richtig, und auch leicht durchführbar, wenn Sie nur einen Hund haben oder Hunde ungefähr gleichen Alters. Haben Sie allerdings mehrere Hunde, verschiedenen Alters, sieht Ihr Senior eventuell nicht ein, dass er ab einem bestimmten Alter alleine seine Runden drehen soll. Persönlich habe ich dieses Problem gelöst, indem ich unsere alte Hündin (nach Absprache mit dem Tierarzt) immer mitnehme, ihren Freilauf allerdings zeitweise durch die Leine einschränke und häufiger Pausen einlege, in denen die jüngeren Hunde spielen und sie sich zwischenzeitlich ausruhen kann. Ferner achte ich sehr genau auf sie und akzeptiere sofort, wenn sie mir signalisiert, dass sie müde ist. Irgendwann wird sie die langen Märsche auch mit Pausen nicht mehr schaffen, was wir dann machen ist noch unklar, vielleicht zieht sie es ja freiwillig vor Zuhause zu bleiben oder wir bilden einen der anderen Hunde aus einen Bollerwagen zu ziehen, in dem die alte Dame dann bei Bedarf ohne große Anstrengungen dabei sein kann. Es gibt immer eine Lösung.
Neben der körperlichen Beschäftigung braucht der alter Hund ständige geistige Anregungen, damit er sein Gehirn fit hält und nicht einrostet. Ferner langweilt er sich dann nicht oder fühlt sich gar überflüssig.
Sinnvoll finde ich es, wenn er seinen Hobbys und Freizeitbeschäftigungen, die er in früheren Jahren ausgeübt hat weiter nachgehen kann. Hat er immer schon gerne mit dem Ball gespielt, sollte er dieses, soweit es der Gesundheitszustand erlaubt auch eingeschränkt weiter dürfen.
Vielleicht bringen Sie ihm ja noch bei, morgens ihre Zeitung nach Hause zu tragen, wenn er früher große Baumstämme durch den Wald getragen hat. Ferner sind Suchspiele auch bei sehr alten Hunden noch beliebt, da der Geruchssinn meist gut erhalten bleibt. Auch können Sie den früher so erfolgreich absolvierten Agility -Parcours altersgemäß umgestalten. Vieles ist möglich, lassen Sie Ihren Ideen freien Lauf und lassen Sie sich nicht von den Blicken und Kommentaren anderer beeinflussen, wenn Ihr alter Hund nicht mehr über die Hindernisse fliegt, sondern langsam über am Boden liegende Stangen schreitet. Das Wichtigste ist doch, dass Sie und Ihr Hund zufrieden sind. Eins kann ich Ihnen garantieren: Ihrem Senior ist es vollkommen egal wie hoch die Hindernisse sind und wie schnell er die gestellte Aufgabe meistert, wenn er hinterher nur sein Lob bekommt und das stolze Strahlen in Ihren Augen sieht.
Physiotherapie und TT.E.A.M.
Es gibt einige Methoden dem alten Hund das Leben zu erleichtern. Rückenschmerzen, Verspannungen, Steifheit in den Gliedern und vieles mehr schränken die Bewegungen des Hundes ein. Durch Physiotherapie und TT.E.A.M. können sie diese Leiden nicht heilen, aber Ihrem Hund ein schmerzfreieres und somit unbeschwerteres Leben ermöglichen.
Physiotherapie
Die Physiotherapie ist mehr als eine Art Krankengymnastik beim Hund. Sie beinhaltet Therapieformen wie Thermotherapie (Wärme entspannt die Muskulatur und fördert die Durchblutung, Kälte kann entzündungshemmend und schmerzstillend sein), Hydrotherapie(kreislaufstabilisierend und durchblutungsfördernd), oder die Massage, um nur einige Teilgebiete der Physiotherapie zu nennen.
Unter Anleitung eines erfahrenen Tierphysiotherapeuten kann jeder Hundebesitzer ein spezielles "Programm" für seinen Hund entwickeln und es im Alltag selbständig anwenden. (Bitte nur nach Anleitung und Absprache mit dem Fachmann!)
TT.E.A.M.(r)
Einfach erklärt ist TT.E.A.M.(r) eine Methode zur Verbesserung des Wohlbefindens, der Leistungsfähigkeit und des Verhaltens unserer Tiere. Linda Tellington Jones entwickelte diese für Jeden leicht erlernbare Methode vor über 25 Jahren, indem sie die Lehre von Moshe Feldenkrais modifizierte und auf Tiere übertrug.
TT.E.A.M(r). hilft Ihrem Hund mit gezielten Übungen z. B. besser mit der Arthrose leben zu können oder den verkrampften Rücken zu entspannen. Gleichzeitig stärkt TT.E.A.M(r), als ganzheitliche Methode, das Vertrauen und die Bindung zu Ihnen.
TT.E.A.M(r). empfehle ich ganz besonders den Menschen, die bereit sind einen alten Hund bei sich aufzunehmen, da es neben der Linderung der "Alterswehwehchen" auch die Beziehung zu dem "neuen" alten Hund in kurzer Zeit stark verändert, da es die Freundschaft und Verbindung zu dem Tier vertieft.
Diese Methode kann leicht im Einzeltraining oder Wochenendworkshop bei einer TT.E.A.M.(r) Lehrerin erlernen.
(Eine Liste der TT.E.A.M.(r) Lehrer bekommen Sie über das TT.E.A.M(r).-Büro Tel. :02682/8886 oder unter www.tteam.de .)
Natürlich gibt es noch weitere empfehlenswerte Hilfen, wie Akupunktur, Homöopathie oder Bachblüten- Therapie um nur einige zu nennen, die Ihrem Senior das Leben bei Bedarf erleichtern können. Vielleicht suchen Sie sich ja die Hilfestellung heraus, die Ihnen am Nächsten ist und Sie auch persönlich bereichert.
Es ist nicht unbedingt erforderlich einem alten Hund solch eine "Sonderbehandlung" zukommen zu lassen, den meisten Hunden genügt auch ein warmes, liebesvolles Zuhause, indem sie in Ruhe ihren Lebensabend genießen dürfen, aber vielen Hundehaltern macht es große Freude sich auf eine vielleicht vollkommen neue Art mit dem Hund zu beschäftigen.
Fazit
Ob ein alter Hund eine Bürde oder Freude ist liegt meiner Meinung an Ihnen und Ihren Einstellungen und Erwartungen.
Obwohl eine Studie besagt, dass auch die Hunde durch die guten Lebensbedingungen immer älter werden kommt irgendwann der Tag des Abschiedes..........darum genießen
Sie jeden Tag, den Sie mit Ihrem Senior verbringen dürfen !
Bei Fragen oder Anregungen rufen Sie mich gerne an, doch berücksichtigen Sie, dass ich kein Tierarzt bin, und somit auch keine medizinischen Ratschläge geben kann.
Kontakt:
Bine Hoffmann
Eine Leine 5
44803 Bochum
Tel.:0234/3848881
binehoff@msn.com
TT.E.A.M. Practionerin i.Tr.
1. Vorsitzende TierOase Bowi
Im Februar 2003 wurde ich 80 Jahre alt, ich bekam viele Glückwünsche von Freunden und Bekannten. Der Geburtstag war sehr stressig, Anrufe, Anerkennungen, gut gemeinte Worte. Doch eine Anzeige in der Zeitung, die meine Familie aufgegeben hatte, war Balsam für meine Seele:
Für mein liebes Herrchen
80 Jahre wirst Du heut', hab keinen Tag mit Dir bereut.
Ob's regnet, stürmt oder schneit,
kein Weg mit Dir ist mir zu weit.
Zu Fressen bekomm' ich nur das Beste,
drum wünsch' ich Dir zu Deinem Feste
von Herzen nur das Allerbeste.
Ich schwing' für Dich hier heut' die Feder,
so ein Herrchen, - ja, das wünscht sich jeder.
Bleib gesund!
Dein treuer Freund Raudi
Sieben Monate später starb mein treuer Freund plötzlich an einem Schlaganfall. Eine Welt ging unter. Wie konnte ich plötzlich einen Kameraden verlieren, der fast 11 Jahre an meiner Seite ging. Bis zu seinem letzten Atemzug hielt ich ihn in meinen Armen. Er lebte mit meiner Frau und mir in einer echten Lebensgemeinschaft. Nun war das Haus leer, keiner mehr da, der uns aufmunterte, in schwierigen Zeiten zu uns hielt, uns jeden Wunsch von den Augen ablas, der uns Gefahren meldete. Ja, das war unser Hund, freu und immer bedacht, uns zu helfen. Nun war er nicht mehr da. Wir waren wieder allein. Beide sagten wir: "Wir wollen jetzt keinen Hund mehr, wir sind zu alt." Ob das wohl gut ging?
Raudi lebte ja weiter in unserem Garten, auf der Wiese, zwischen den Blumen, unter der großen Tanne, unter der er so gerne lag, um von dort aus gut versteckt, auf Mäuse wartete. Jetzt hielt er ständig Wache und passte auf uns auf.
Ein Hund hat gewiß auch eine Seele, wenn die Menschen eine haben!!
Es dauerte nicht lange, da kam der Tag der Entscheidung. Es war der 28. Oktober, knapp vier Wochen nach dem Abschied von unserem Raudi. Frau Rumberg, von der ich wusste, dass sie ein großes Herz für Tiere, besonders aber für Hunde, vor allem aber auch für solche, die in Not geraten waren, sprach mich fast verzweifelt und flehend an, ob ich nicht einen kleinen armen Hund, der weinend im Tierheim saß und jede Nahrung verweigerte, aufnehmen könnte, er bräuchte dringend ein neues Zuhause in einer Familie. Vierzehn Jahre war er bei einer Witwe, die dann starb und keiner nahm sich seiner an, also landete er im Tierheim Witten. Trotz aller Mühe gelang es den Betreuern nicht, ihn zu beruhigen. Sie standen vor der Entscheidung: Einschläfern oder vielleicht ihn noch zu vermitteln. Eine Anzeige im Internet brachte auch nichts. Nun stand ich vor der Entscheidung. Ich bat um Bedenkzeit. Schon auf dem Weg nach Hause hatte ich Gewissensbisse, weil ich nicht sofort zugesagt hatte.
Doch so ein Fall musste ja auch mit meiner Familie besprochen werden, in diesem Fall mit meiner Frau, da wir beide ja allein im Hause sind. Ich trug es ihr vor. Es folgte dann kurzes Schweigen und dann sagte sie: "Ja, den nehmen wir!"
Nun war grünes Licht gegeben. Zwei Stunden später erfuhr dann Frau Rumberg die frohe Botschaft. Am nächsten Tag brachte sie in Begleitung eines Herrn von der Tieroase Bochum - Witten den armen Mischling Eiko. Auf diesen Augenblick waren wir gespannt. Frau Rumberg hatte ihren Nick mitgebracht. Das war gut, so wurde Eiko nicht ganz fremd vorgeführt, sondern in Gemeinschaft eines Artgenossen. Während Nick stolz und froh sein Frauchen begleitete, war andererseits dem Eiko doch die große Unsicherheit und Trauer anzumerken, ein wirklich sehr verstörtes Lebewesen betrat unruhig unsere Wohnung, schielte auf die Haustür, um seinen Fluchtweg auszumachen.
Nach wenigen Minuten, in denen die Formalitäten besprochen wurden, verließen die beiden Mitarbeiter der Tieroase Bochum - Witten mit Nick wieder das Haus. Nun standen wir mit dem trauernden und hilflosen Hund ganz allein da.
Es begann die Phase, Vertrauen und Freundschaft herzustellen. Was wussten wir von ihm? Nicht mehr als das schon Gesagte. Ein Hund ist ein Lebewesen und oft sehr sensibel. Er kann sich zwar artikulieren auf seine Art, aber sprechen kann er nicht. Was würde er uns wohl sagen? Hinzu kam noch, wie sich später herausstellte, dass er fast taub war. Und so ist es schwer, besonders ein älteres Tier zu verstehen. Man kennt ja keine Gewohnheiten, keine Eigenarten und Vorlieben und besonders sein Lieblingsfutter nicht und auch keine Krankheiten! Er wurde ganz plötzlich aus seiner heilen Welt herausgerissen wie in diesem Fall, als seine Besitzerin starb und er verstand seine Umwelt und sein Dasein nicht mehr, denn alles ist neu und unbekannt und nicht mehr so wie früher! So mussten wir uns langsam vortasten, um wenigstens etwas Zutrauen aufzubauen. Das ist für Hund und Mensch nicht leicht. Deshalb ist es so wichtig, verlässliche Angaben über das Tier im Tierheim oder bei dem alten Besitzer zu erf ahren. Das macht es Hund und Mensch einfacher trotz der Trauer wieder Vertrauen aufzubauen bei fremden Menschen in einer völlig neuen Umgebung. Doch da standen wir vor einer tabula rasa, die Auskünfte waren sehr dürftig, Tierheim und Tieroase standen wohl vor demselben Problem.
Für solche Situationen müsste dringend das Tierschutzgesetz erweitert werden zugunsten dieser verlassenen Tiere und es dürfte nicht sein, dass der Datenschutz nur für den Menschen ist, gerade hilflose Tiere müssten im besten Fall durch einen Tieranwalt vertreten werden.
Nun lag es bei uns, Wege zu einer neuen Freundschaft zu finden, behutsam zu sein, nicht aufzutreten nach dem Motto: Ich bin Mensch und du hast zu gehorchen. Anpassung musste die Richtschnur in den ersten Tagen und auch wohl Wochen sein.
Ich machte täglich viele kleine Spaziergänge mit Eiko. An eine Leine war er gewöhnt. Das klappte schon mal, obwohl er immer rechts gehen wollte und nicht wie üblich links. Doch das war weniger wichtig, allmählich war er auch mit dem Linksgehen einverstanden; eine reine Gewohnheitssache. Das Verhältnis zu anderen Hunden war auch problemlos, die Neugier veranlasste ihn, sich zu jedem Hund hinzuwenden. Er war bemüht, sich in sein neues Umfeld einzureihen. In den ersten zehn Tagen bellte er überhaupt nicht, er war von einer erschreckenden Heiserkeit befallen bis er eines Tages vor einem großen Hund stand, den er spontan anbellte. Er konnte also bellen! Meine Freude war so groß, dass ich dem Besitzer abends in der Kneipe in bester Laune ein paar Bierchen spendierte. Übrigens wird dieser besagte große Hund von fast allen Artgenossen angebellt, da war also Eiko keine Ausnahme.
Von Tag zu Tag merkte ich mehr, dass er fast völlig taub war. Das ist natürlich ein Problem. Mit meiner Stimme konnte ich ihn nicht erreichen. Auf seinen Namen hörte er nur bei größter Lautstärke. Doch ihn anzuschreien war keine Lösung. Man kann vor allem draußen oder in der Volkes Menge nicht laufend seinen Hund anschreien. Mich hätte ja jeder, der den Grund nicht wusste, für untauglich erklärt.
Doch zu seinem Namen und seiner Taubheit noch ein kleines Zwischenzeugnis. Sonntags gehe ich mit Eiko zum Bahnhof, um mir wöchentlich eine ausländische Zeitung zu holen. Das sind etwas dreißig Minuten zum Laufen, manchmal fahren wir dann mit dem Bus zurück. Als ich etwas Mitte November mit ihm durch die Bahnhofshalle ging, kam eine ältere Frau auf uns zu und rief: "Das ist doch der Cäsar!" Frage von mir: "Kennen Sie den?" "Ja, ich komme von Dortmund, der ging immer mit einer älteren Dame spazieren. Ich sagte: "Der heißt Eiko, wenn der Cäsar heißt, bin ich die Cleopatra!" Die Dame hatte es eilig, sie musste zu einem Bus und verschwand. Als ich zum Zeitungsstand kam, bat ich die Verkäuferin Frau Neumann, sie möge doch mal den Hund laut mit Cäsar anreden. Er hörte tatsächlich auf diesen Namen. War das ein Wunder?
Auf dem Weg nach Hause versuchte ich es ein paar Mal, ihn Cäsar zu rufen. Ja, er schaute sich um, nachdem ich so lauf rief und einige Passanten sich umschauten. Auf Eiko reagierte er nicht. Vielleicht hat sein geliebtes Frauchen einen Kosenamen benutzt, doch Cäsar ist doch wohl keiner. Trotzdem nannte ich ihn jetzt Cäsar schon wegen der Cleopatra. Die Taubheit ist ja für ihn und uns schmerzlich. Nie hört er die vertraute Stimme von Herrchen und Frauchen und von allen, die ihn liebten. Er kann uns in der Gefahr nicht warnen. Ihm fehlte die auditive Verständigung. Eine Lösung zur Kommunikation musste gefunden werden.
Ja hallo, da gibt es doch die Zeichensprache. Nach diesem Einfall begann gleich der Unterricht. Ich will jetzt nicht ausführlich meine pädagogischen Tricks erwähnen. Es dauerte keine acht Tage, da verstand Cäsar meine Zeichensprache. Schwieriger war es mit der Ernährung. Er war nicht gewöhnt, vom Teller zu essen. Er saß neben dem Tisch und wartete auf Häppchen, die man ihm reichen sollte, er aß also aus der Hand oder schnappte die Leckerchen aus einem leichten Wurf. Es dauerte vielleicht 5-6 Tage, da ging er auch zum Teller. Wir gaben ihm nicht mehr die Stückchen aus der Hand, sondern legten sie auf den Teller, also keine Verabreichung von der Hand in seinen Mund, sondern auf dem Umweg über das Geschirr. Er holte sich die einzelnen Stücke sofort heraus. Nach wenigen Übungen setzten wir ihm den vollen Teller einfach dahin, seitdem bettelt es nicht mehr am Tisch und isst schön brav vom Teller. (Eigentlich eine Vergewaltigung, denn seine frühen Vorfahren, die Wölfe, fraßen bestimmt nicht vom Teller, sondern vom Boden, wo sie etwas fanden, er ist also sehr kultiviert wie heute alle seine Artgenossen.)
Er weiß auch, wo seine Brekkies stehen, er schaut nach oben zum Schrank, guckt uns an und weiß, dass er uns schwach macht. Frau Rumberg weiß noch mehr von seinem artigen Sitzen, bis er etwas verschlingen kann. Also mit den Tischmanieren insgesamt können wir zufrieden sein.
Die Nachtruhe teilt er mit uns. Eine Decke auf dem Läufer vor meinem Bett ist sein Lager. Ins Bett kommt er nicht. Er ist die ganze Nacht ruhig, manchmal muss er wohl von schlimmen Träumen geplagt werden, er schluchzt dann und heult leise auf.
Und nun zum Schluß etwas über die Einlebungszeit, das ist wohl ein Kapitel, das nie ganz abgeschlossen werden kann. Wie heißt es im Volksmund? Einen alten Menschen soll man nicht verpflanzen. Und wie ist es bei einem Hund? Er ist noch ärmer dran als der Mensch, der plötzlich in eine ganz andere, ihm überhaupt nicht bekannte Umgebung kommt. Er kann sich nichts aussuchen, er muss jetzt dort bleiben, wohin man ihn gebracht hat. Moderne ältere Menschen können in Gruppen verreisen, sie haben viele Möglichkeiten zur Konversation. Sie sind nicht mehr so eingesperrt wie vor 100 Jahren. Aus meiner Kindheit weiß ich noch, dass meine Oma nie verreisen wollte, nicht einmal zu Verwandten. Ihr Zuhause war ihre Heimat.
Sollten wir Cäsar böse sein, weil er bei uns ca. 5-6 Wochen auch hin und wieder mal jaulte und weinte? Nein, wir mussten ihn ablenken und beruhigen, versuchen mit ihm zu spielen, viel nach draußen zu gehen, um möglichst viele Artgenossen zu treffen, ihm auf seine Weise Zerstreuung geben. Langsam ging es bergauf. Nach einem Spaziergang blieb er an der Haustür stehen, lief freudig ins Haus und begrüßte Anwesende und versuchte, uns immer mehr zu verstehen. Er zeigte uns beim Spielen auch kleine Nickligkeiten, indem er sich von hinten heranschlich und uns zeigen wollte, dass er auch zu Späßen aufgelegt sein konnte. Sein Heimweh, seine Traurigkeit ist doch zu verstehen. Selbst wenn Hunde einen rabiaten Halter haben, der nur darauf bedacht ist, dass er allein der Herr im Hause ist und dem Hund harte Strafen auferlegt und ihn eventuell sogar quält, dann würde auch dieser Hund dem Herrchen noch nachtrauern. Und wie mag es dann wohl den Hunden ergehen, die viele Jahre nur Zuneigung und Liebe e rfahren haben, wenn sie plötzlich aus dieser Umgebung herausgerissen werden? Unter diesem Gesichtspunkt werden wir immer Cäsar verstehen und keine neidvolle Frage stellen. Wir sind seine Pflegeeltern und hoffen, dass wir es noch lange bleiben, so Gott will!
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Taubheit bei Hunden Info
Die ein- oder beidseitige Taubheit bzw. Schwerhörigkeit kommt beim Dalmatiner verstärkt vor. Dieses Problem teilen sie allerdings mit über 60 anderen Rassen. Die Taubheit bzw. Schwerhörigkeit wird von mehreren Genen verursacht und kann nicht aus der Rasse herausgezüchtet werden. Sie kommt in allen Dalmatinerlinien vor, nur wird sie von den meisten Dalmatinerzüchtern noch immer verschwiegen, die Welpen zum größten Teil heimlich eingeschläfert. Dieses untersagt natürlich unser Tierschutzgesetz, ist aber leider noch immer gängige Praxis. Taube Hunde haben die Mimik eines hörenden Hundes. Einige Forscher sind der Ansicht, dass die Welpen meist kurzzeitig das Hörvermögen erlangen würden und erst mit 4-5 Wochen, durch Verkümmerung einer Pigmentschicht im Ohr ihr Hörvermögen ganz oder teilweise verlieren. Andererseits gilt als gesichert, dass einige Welpen niemals hören konnten .
Eine audiometrische Untersuchung gibt Aufschluss über das Hörvermögen ihres Hundes und wird von verantwortungsvollen Dalmatinerzüchtern bei jedem Welpen durchgeführt.
Einseitig tauben oder schwerhörigen Hunde kann das räumliche Hörvermögen fehlen, d.h. er weiß z.B. nicht aus welcher Richtung er gerufen wird und läuft eventuell seinem Halter nicht entgegen, sondern entfernt sich irrtümlicherweise von ihm. Oft wird er deshalb für ungehorsam oder dumm gehalten. Ist dem Halter diese Problematik bekannt, kann er mit seinem Hund den verstärkten Sichtkontakt einüben. Anderen einseitig tauben Hunden werden Sie diese Tatsache nicht anmerken, weil er selbst gelernt hat dieses zu kompensieren. Der einseitig taube Hund kann sich auf jeden Fall zu einem absolut vollwertigen Familienhund entwickeln.
Der taube Hund stellt an sich auch kein wirkliches Problem dar. Er fordert nur ein gewisses Umdenken (Sichtkontakt, Handzeichen) in der Erziehung.
Jeder Hund kann durch einen Unfall, Unverträglichkeit bestimmter Medikamente oder im Alter taub werden, darum bilde ich alle Hunde zusätzlich zu den üblichen Hörzeichen auf Sichtzeichen aus und trainiere verstärkten Blickkontakt!
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